Montag, 10. November 2014

" ... dann nehme ich das als Herausforderung an!"

Vor rund drei Wochen rief eine Bekannte bei Änne M. an. Vor einiger Zeit hatte sie sich schon einmal gemeldet und nach dem Abgabeschluss für "Weihnachten im Schuhkarton" gefragt und mit einem „Na, dann habe ich ja noch Zeit“ erleichtert aufgelegt. Nun, wenige Wochen später, rief sie also wieder an. Die Anruferin – Renate – hatte einige Kleidungsstücke für „Weihnachten im Schuhkarton“ gestrickt. „Ich glaube, ich habe die Farben verwechselt“, sagte sie noch, als sie Änne bat bei ihr vorbeizukommen. „Und bring eine Tüte mit!“, schickte sie noch hinterher.

Als Änne kurz darauf die Sachen sah, die Renate gestrickt hatte, kam sie aus dem Staunen nicht mehr heraus! Nicht nur, dass Renate keinerlei Farben vertauscht hatte
es handelte sich außerdem um eine unglaubliche Auswahl an Jacken, Pullovern, Schals und Strümpfen mit den schönsten Zopf- und Lochmustern. Änne konnte es kaum glauben – denn Renate, die diese Dinge so wunderbar gestrickt hatte – war blind!

Obwohl Renate nicht sehen kann, was sie für die Kinder strickt, ist sie doch mit grenzenloser Leidenschaft dabei, seitdem sie von einer Bekannten von der Geschenkaktion erfahren hat. Die Wolle bekommt sie gespendet oder kauft sie selber. Sie würde auch selber viel häufiger für „Weihnachten im Schuhkarton“ einkaufen gehen oder Päckchen packen, aber dafür benötigt sie immer Hilfe. Das Stricken hingehen geht fast ganz allein – nur beim Annähen der Ärmel braucht sie Hilfe. Seit rund 53 Jahren ist sie nun schon blind, aber das hält sie nicht davon ab, sich für "Weihnachten im Schuhkarton" einzubringen. „Wenn jemand sagt: Das geht doch nicht in deinem Zustand, dann nehme ich das als Herausforderung an!“ sagt sie und lacht. Am liebsten strickt sie übrigens Jacken. Und davon hat sie auch noch einige bei sich liegen. „Die bekommt dann wieder Änne“,
zum Füllen von Schuhkartons.  

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