Mittwoch, 12. November 2014

Eine Stadt auf den Beinen



Heute ist der große Tag da! Der Tag, auf den sich halb Verden vorbereitet. Heute um 19 Uhr findet die alljährliche „Weihnachten im Schuhkarton“-Packparty statt. Ein Event, das nicht nur notleidenden Kindern zugutekommt, sondern auch einen ganze Stadt dazu bringt, sich gemeinsam zu engagieren.

Wie alles begann
Monika Berlitz hatte vom Hörensagen von der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ erfahren. Sie begann Schuhkartons zu packen. Der Mann ihrer Arbeitskollegin hatte die Idee, die Volksbank anzufragen, ob sie nicht etwas spenden könnten. Konnten und wollten sie. Und plötzlich hatten sie eine ganze Ladung Plüsch-Frösche, mit denen sie Schuhkartons bestücken konnten. Das war der Startschuss für Monika. Eigentlich liegt ihr sowas nicht – "einfach auf andere zuzugehen und nach Spenden zu fragen" – gesteht sie, aber durch diesen ersten Erfolg war sie so beflügelt, dass sie gleich noch weitere Firmen und Unternehmen nach Sachspenden anfragte. Was dann passierte, war wie ein Wunder. Von überall kamen Spenden. Noch immer ist die viermalige Mutter überwältigt von dem Vertrauen, das man ihr entgegen brachte. „Und dann packt man einen Schuhkarton und noch einen, und plötzlich hat man so viele, dass man gar nicht weiß, wohin damit.“ Insgesamt 100 Schuhkartons waren es dann am Ende. Weil ein Auto für diese Menge an Schuhkartons nicht ausreichte, nahm man kurzerhand den Pferdetransporter und brachte die Geschenkkartons zur Sammelstelle.
Die Sammelstelle war im nächsten Dorf. „Das geht ja gar nicht, dass ein Dorf eine Sammelstelle hatte, aber eine Stadt wie Verden nicht!", entrüstete sich Monika und eröffnete kurzerhand eine Sammelstelle in Verden. Das war 2006. „Auf was ich mich da eingelassen hatte und welche Welle ich damit ausgelöst hatte, das konnte ich damals noch nicht ahnen.“

Die Packparty
Monika erlebte dann das, womit viele Mitarbeiter zu kämpfen haben. „Wie groß soll der Schuhkarton sein?“, „Dürfen selbstgestrickte Sachen hinein?“, „Wohin kommen die Schuhkarton?“ Eine Flut an Frage überrollte sie in der kommenden "Weihnachten im Schuhkarton"-Saison. Um diesen wichtigen Nachfragen gebündelt begegnen zu können, rief Monika eine Packparty ins Leben, bei der alle Fragen beantwortet wurden, informiert wurde und bei der die Menschen tatkräftig anpacken konnten. Schuhkartons werden beklebt und mithilfe von Sachspenden gefüllt, gepackte Schuhkartons werden kontrolliert. Die meisten befüllen am liebsten Schuhkartons aus diesem Grund hat das Ehepaar Schätzle dieses Jahr allein 538 Schuhkartons beklebt. Unzählige begeisterte Bastler und Mitarbeiter aus Verden und dem Umland kommen nun Jahr für Jahr zu der Packparty, die sich inzwischen zu einem bekannten Event entwickelt hatte.
Als klar wurde, dass die Gemeinderäume der Freien Christengemeinde nicht mehr ausreichen würden, bot die Baptistengemeinde in Verden an, ihre Räume zur Verfügung zu stellen. Und man durfte nicht nur die Packparty dort veranstalten, sondern auch danach noch die Räumlichkeiten nutzen, um immer wieder mal zu packen und die Schuhkartons dort zu lagern.
Mittlerweile hat diese Veranstaltung einen solchen Stellenwert in Verden eingenommen, dass letztes Jahr sogar die Bundestagsabgeordneten Christina Jantz und Andreas Mattfeldt mithalfen Schuhkartons zu bekleben und zu füllen.




Die Gemeinde

Die Freie Christengemeinde Verden, in die Monika geht, ist sehr aktiv und kreativ, wenn es um „Weihnachten im Schuhkarton“ geht. Wie auch viele andere Gemeinden waren sie am „Weihnachten im Schuhkarton“-Sonntag dabei, allerdings wollen sie „nicht nur den einen Sonntag nutzen, sondern das ganze Jahr Sachspenden sammeln und irgendwie immer aktiv“ sein.
So engagieren sich die Gemeindemitglieder tatkräftig in der Stadt: Am verkaufsoffenen Sonntag machten sie Werbung für die Geschenkaktion, am 8. November hatten sie ihren Stand im Supermarkt aufgebaut und verkauften Selbstgemachtes und beklebte Schuhkartons für einen Euro.
Außerdem besteht die Möglichkeit einen Schuhkarton zu „adoptieren“. Mithilfe dieser Lösung kommen Menschen zusammen, die Zeit und Ideen, aber nicht die finanziellen Mittel haben und diejenigen, die es zeitlich oder gesundheitlich nicht schaffen Schuhkarton zu packen.
Des Weiteren können und konnten Marmelade und Tannenzapfen-Eulen für eine kleine Spende erworben werden und mit den Einnahmen werden weitere Schuhkartons gepackt oder die Transportkosten bezahlt. Es ist für alles gesorgt, mitmachen kann jeder. „Ausreden gibt’s bei uns nicht mehr“, sagt Monika Berlitz mit einem Lachen.


 

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