Mittwoch, 22. April 2015

Schuhkartonverteilung bei minus 20 Grad

Die Luft ist rau und bitterkalt, als wir an diesem Nachmittag am Anfang des Jahres 2015 auf das unscheinbare Rathaus zugehen. Wir befinden uns im Gorchi-Tereldsch-Nationalpark, welcher im Norden der Mongolei unweit von der Hauptstadt Ulan Bator liegt. In wenigen Augenblicken dürfen wir, Mitarbeiter von Geschenke der Hoffnung, Zeuge einer Schuhkartonverteilung sein. 

Der Raum ist gefüllt mit einer großen Anzahl an Kindern, die ganz gespannt auf ihren Stühlen sitzen. Eltern sowie Kinder haben sich in besonderer Weise herausgeputzt und tragen ihre traditionellen Trachten. Auf einer Wand steht „1+1+1 Samaritan’s Purse“, liebevoll ausgeschnitten aus buntem Tonpapier. Hinter dieser Gleichung verbirgt sich das Motto „Ein Kind. Ein Schuhkarton. Einmal im Leben“. Die Päckchen von „Weihnachten im Schuhkarton“ (Partner von „Samaritan’s Purse“) sollen Freude, Hoffnung und Liebe schenken – mithilfe eines Schuhkartons, für ein Kind, in einer einmaligen Gelegenheit.  
 

Auch als das Programm auf der Bühne schon begonnen hat, öffnen sich immer wieder die Türen und Eltern strömen mit ihren Kindern in den recht vollen Raum. Eine Frau mit einem schwarz-weiß gestreiften Kleid beginnt ein Spiel mit den Mädchen und Jungen zu spielen. Sie ist Mitarbeiterin der Kirche, die nur wenige Meter entfernt vom Rathaus steht. 

Anschließend werden wir, das Team aus Deutschland, den Anwesenden vorgestellt. Es gibt stürmischen Applaus. Nachdem einige Kinder die Geschichte des barmherzigen Samariters aus dem Neuen Testament nachgespielt haben und auch dafür reichlich beklatscht werden, lässt es sich Diana Molnar, die Projektleiterin von „Weihnachten im Schuhkarton“, nicht nehmen, in eindrücklicher Form den Mädchen und Jungen zu zeigen, wer Jesus ist und was er für uns getan hat. Nicht nur die Kinder sind verblüfft von dem Trick, den sie zusammen mit einem der älteren Jungs vorführt.

Und dann werden die Schuhkartons verteilt. Die Mädchen und Jungen werden namentlich nach vorne gerufen und jeder bekommt seinen Schuhkarton mit einem lieben Wunsch in die Hand gedrückt. Überall sieht man strahlende Kinder, die ihr Päckchen mit einem stolzen Lächeln zu ihrem Platz tragen. 

 
Endlich ist es soweit – alle haben ihren Geschenkkarton. Jetzt kann es losgehen! Der Raum erbebt förmlich unter dem Staunen und Auspacken der vielen Geschenke. Kindern wie Eltern sind fasziniert von der Vielfalt der unterschiedlichen Päckchen, von den liebevollen handgeschriebenen Grußkarten und der damit verbundenen Gemeinschaft – ein Schuhkarton verbindet Menschen, die tausende Kilometer entfernt leben. Ein wahres Wunder!


Wer weiß, was gleich hier passiert?
Die Mitarbeiterin spielt verschiedene Spiele mit den Kindern, bei denen alle mitmachen.
Gebannt schauen die Kinder zu, als die Geschichte vom "Barmherzigen Samariter" aufgeführt wird.
Kuscheltiere sind für Jungs genauso wichtig wie für Mädchen.
Gemeinsam entziffert man die herzlichen Weihnachtsgrüße.
Ein ganz besonderes DANKE aus der Mongolei.

Mittwoch, 15. April 2015

Vom Draufgänger zum Glaubenkurs-Lehrer

Hilfsbereit und voller Ehrgeiz. So würden heute seine Familie und Freunde den 26-jährigen Bekhee beschreiben. Ein junger Mann mit Herz. Doch vor nicht mal zehn Jahren sah das noch ganz anders aus.

Mit 17 war er ein „schwieriger Junge“, wie er selbst sagt. Viel getrunken und geraucht hat er. Dann fing er an, die Kirche zu besuchen. Nicht weil ihn Gott oder der Glaube interessiert hätte, sondern weil er gehört hatte, dass das der Ort ist, an dem man hübsche Mädchen finden könnte. Ob das wirklich stimmt, will er nicht verraten. Aber drei Jahre lang besucht er regelmäßig die kleine Kirchengemeinde in einem Vorort von Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Mit einer Missionarin hat er ein gutes freundschaftliches Verhältnis. Sie hört ihm zu und ermutigt ihn, etwas aus seinem Leben zu machen. Bekhee fängt an sein Leben in geregelte Bahnen zu bekommen. Aber dann heiratet die Missionarin einen Amerikaner und zieht in die Vereinigten Staaten. Durch den Weggang seiner wichtigsten Bezugsperson verliert Bekhee den Grund, die Kirche weiterhin zu besuchen. Er stürzt sich in sein altes Leben – mit einer Wucht, die ihn selbst erschrecken lässt. Alles gipfelt in einer Straftat, für die er einen Monat ins Gefängnis muss. In ihrer Verzweiflung wissen seine Eltern sich nicht anders zu helfen, als ihn in die Armee zu stecken. Als er nach einem Jahr wieder nach Hause kommt, hat sich vieles verändert. Bekhees Schwestern und Brüder besuchen nun die Kirchengemeinde, in die er früher selbst gegangen ist. Die Begeisterung, mit der sie ihm von einem Ort erzählen, den er kennt, und einem Leben, das er nie kennengelernt hat, macht ihn erneut neugierig und so beginnt er wieder zur Kirche zu gehen.


Mit 21 nimmt er an einer dreitägigen christlichen Konferenz teil. Ein chinesischer Missionar erklärt in seiner Predigt mit eindrücklichen Worten, wie wichtig es ist, Jesus Christus als Retter anzunehmen. Diese Worte sind der Auslöser für etwas, das Bekhee irgendwie ersehnt, aber nie erlebt hatte. Er fühlt plötzlich, dass Gott ihn mit einer Kraft liebt, die er selber nicht begreifen kann. Er merkt, dass diese Liebe größer ist als die Sünde, die sein Leben so fest im Griff hatte. Dass dieses Erlebnis von vielen Tränen begleitet ist, erzählt der 26-Jährige nur ungern. Umso mehr aber von seinem Entschluss, sein Leben nun mit Jesus zu leben. Eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend verändert hat.
 

Inzwischen hat der junge Mann mit dem herzlichen Lächeln eine Bibelschule besucht und arbeitet ehrenamtlich in der Kirchengemeinde mit, die er schon so viele Jahre kennt. Weil er selbst erlebt hat wie wertvoll es ist, schon früh von Gottes Liebe zu erfahren, arbeitet er voller Leidenschaft im Kindergottesdienst mit. Eine große Hilfe dafür ist „Die größte Reise“ (englisch: „The Greatest Journey“). Dieser zwölfteilige Glaubenskurs ist für Kinder entwickelt worden, um ihnen Gottes Liebe und Größe sichtbar zu machen. Eine Einladung zum Glaubenskurs erhalten die Kinder im Rahmen einer Schuhkartonverteilung und viele nehmen das Angebot an.

Seit drei Jahren unterrichtet er nun selber Kinder im Glaubenskurs „Die größte Reise“. Das Material begeistert ihn, weil die Kinder dadurch selber kreativ werden und er selbst dadurch immer wieder etwas Neues entdeckt. Das Wichtigste aber, das er gelernt hat, ist, dass Gottes Liebe größer ist als eine schlechte Vergangenheit. Und das möchte er den Kindern vermitteln. Und darum ist er dankbar für den Glaubenskurs, der am 6. Februar 2015 gestartet ist. Er ist dankbar für die zehn Kinder, die sich nach der Schuhkartonverteilung haben einladen lassen und voller Begeisterung zuhörten, als ihnen erzählt wurde, mit welcher Kraft und Hingabe Gott die Welt erschaffen hat. Und er ist dankbar für die kommenden Wochen, in denen er den Mädchen und Jungen zeigen kann, dass sie unendlich geliebt sind.



Dienstag, 7. April 2015

Knete für Dawid

Bericht von Dagmar Tröster, Sammelstellenleiterin in Lichtenau und Gebietskoordinatorin für Paderborn

Im Dezember 2014 hatten wir das Vorrecht nach Polen zu einer Verteilerreise zu fahren. Am zweiten Tag unserer Reise war es geplant einige Familien zu Hause zu besuchen, um Kinder mit Schuhkartons zu beschenken. Wir (Mitarbeiter von Geschenke der Hoffnung und Sammelstellenleiter) wurden begleitetet vom Regionalleiter für Balkan/Baltikum/Mitteleuropa und Dolmetscher Aleksander, dem Koordinator der Sozialen Dienste Andrzej und Eva, einer weiteren Dolmetscherin. Gemeinsam fuhren wir über die Dörfer nach Szalowa, einer kleinen Stadt im Süden Polens mit nicht mal 2.500 Einwohnern. 


Von der ersten Familie wurden wir bereits erwartet. Der Junge – Dawid – war drei Jahre alt und sah uns schelmisch entgegen. Seine zweijährige Schwester Asia mit ihren roten Wangen saß im Wohnzimmer und blickte erwartungsvoll auf die Menschen, die zu Besuch gekommen waren. Die Mutter und die Großmutter, die ebenfalls zum Haushalt gehörte, waren mindestens genauso gespannt wie die Kinder. Die Situation der Familie ist nicht einfach – die Mutter hatte aufgrund einer Krankheit ihren Job als Briefträgerin verloren und der Vater versuchte sich mit saisonaler Arbeit über Wasser zu halten. Umso dankbarer waren sie für den Besuch, den wir in den kargen Zimmern der Familie abstatteten.


Nachdem wir uns vorgestellt hatten, drängelte Dawid mit altersgerechter Ungeduld: „Dawaj, dawaj!“ (Gib, gib!). Er ahnte schon, dass die bunten Kartons, die wir mitgebracht hatten, Schatzkisten sind. Und tatsächlich: In seinem Schuhkarton fand er einen Schatz – bunte Knete! Seitdem der Dreijährige einmal Knete gesehen hatte, war es sein größter Traum selbst welche zu besitzen. So sehr seine Eltern ihm diesen Wunsch erfüllen wollten – die finanziellen Mittel reichten nicht aus. Und nun fand er genau das in seinem Schuhkarton! Schnell probierte er noch die Zuckerstangen und dann verschwand er auch schon in die Küche und war für die nächste Zeit mit seinem neuen Geschenk beschäftigt.


Asia war mindestens genauso glücklich über den Haarschmuck, den sie in ihrer „Schatzkiste“ fand. Und als Heike Friedmann ihr einen handgestrickten Pullover überreichte, den ihr Strickkreis extra für ein Kind gefertigt hatte, strahlten Asia, ihre Mutter und Großmutter um die Wette. Besonders begeistert war die Mutter auch über den Waschlappen und das Handtuch, die sie in den Schuhkarton ihrer Kinder fand. Für solche „Luxusartikel“ reichte das Haushaltsgeld schon seit einiger Zeit nicht mehr aus.


Mich hat dieser Besuch sehr beeindruckt, weil er wieder mal gezeigt hat, dass auch heute noch kleine Wunder wahr werden können, dass ein einfacher Schuhkarton manchmal genau das beinhaltet, was ein Kind sich von Herzen wünscht und dass man mit wenigem so viel Freude bringen kann.


Dawid bekommt von Regionalleiter Stefan Schmid seinen Schuhkarton überreicht.
Gemeinsam macht das Entdecken und Auspacken viel mehr Spaß.
Und dann gibt es kein Halten mehr: Auf dem Küchentisch entstehen wunderbare bunte Gebilde.
Asia hat viel Spaß mit ihrem neuen Haarschmuck.

Donnerstag, 2. April 2015

Ein Schuhkarton voll Liebe

Der achtjährige Asen lebt mit zwei seiner Geschwistern, seiner Mutter, seinem Onkel und den Großeltern in zwei kleinen Räumen in einem Dorf in Bulgarien. Fließend Wasser oder Heizung gibt es nicht. Der Vater ist vor einigen Jahren gestorben. Das wenige Geld, das die Mutter durch Betteln verdient, reicht gerade so für das nötige Essen.

Trotz dieser Umstände ist Asen ein guter Schüler. Er versucht in der Schule gut aufzupassen und liest besonders gern.

Als er im Dezember 2014 einen Schuhkarton erhält, kann er es kaum glauben. So viele neue Dinge hat er noch nie gesehen - geschweige denn besessen. Vor allem die neuen Schulhefte sind eine Motivation für den guten Schüler, sich noch mehr in der Schule anzustrengen und später einen ordentlichen Job zu bekommen, um seine Familie zu unterstützen.

Wenn auch ihr mithelfen wollt, dass Mädchen und Jungen, die, ähnlich wie Asen, Liebe und Hoffnung brauchen, dann spendet für "Weihnachten im Schuhkarton" oder fangt jetzt schon an, einen Schuhkarton zu packen. Einen Schuhkarton voll Liebe!