Donnerstag, 10. Dezember 2015

Sonderaktion läuft – aber wie?

Schnell und gezielt, nicht auf Biegen und Brechen – so könnte man die Frage in der Überschrift schnell beantworten. Die Flüchtlinge brauchen sofortige Unterstützung, aber wir wissen, dass auch große Bemühungen wenig effektiv sind, wenn zu viel durcheinander läuft. Deswegen ist es für Geschenke der Hoffnung e.V. umso wichtiger, die „Weihnachten im Schuhkarton“-Sonderaktion für Flüchtlingskinderin Deutschland mit gut strukturierten, erfahrenen und vertrauenswürdigen Verteilpartnern durchzuführen. Aber dass so viele professionelle und engagierte Partner unverzüglich zusagen würden, haben wir kaum zu hoffen gewagt. Wir freuen uns, dass Flüchtlingskinder in einer wohltuenden Umgebung ein fröhliches Weihnachten feiern werden, mit Weihnachtsbaum, Christkind und Geschenk. So auch mit „Der guten Karin“...


Karin und ihre Familie genießen es, anderen Kulturen zu begegnen - ob im Ausland oder in Deutschland.


Aus eigener Erfahrung lernen und handeln

Einem Kind das Licht dieser Welt schenken, es in die Arme einer glücklichen Mutter übergeben und dabei sein dürfen, wenn die Mutter-Kind-Beziehung ihren Anfang nimmt – das ist Karins Berufung und Leidenschaft. Als Hebamme hat sie ein ganz besonders sensibles Gespür für Kinder und ihre Bedürfnisse. Sie selbst musste eine schwere Kindheit ertragen, in der sie vernachlässigt und sie in vielerlei Hinsicht alleine gelassen wurde. Doch als sie 12 Jahre alt war, lernte Karin Menschen und einen Glauben kennen, mit dem sie Erlebnisse aufarbeiten konnte: Mit viel Nächstenliebe, Geduld und Verständnis schaffte sie es, Frieden zu schließen: „Ich kann mir die Geschichten aus der Vergangenheit ansehen und empfinde nichts als Frieden und Vergebung.“ Genau dieses Gefühl wünscht sie auch den Flüchtlingsfamilien, vor allem den Kindern. Sie fliehen vor Terror, Bürgerkriegen und Hungersnöten; sie kommen verzweifelt und traumatisiert in den europäischen Ländern an; sie suchen Schutz und einen sicheren Raum für sich und ihre Angehörigen: „Man muss diese Menschen mit dem Herzen sehen. Sie brauchen nicht nur äußeren Schutz vor Krieg, sondern auch innere Heilung.“ 

Karin kennt die Zustände in Krisengebieten und Entwicklungsländern, denn als Hebamme lebte und arbeitete sie lange Zeit in Tansania – einem Land, in dem es nach wie vor zu Zwangsheirat und schrecklichem Missbrauch kommt. Von ihrem Einsatz für swahelische Frauen und werdende Müttern stammt auch ihr Swahili-Spitzname „Karin Sawa“, zu Deutsch „Karin ist gut“. Auch jetzt möchte Karin „gut sein“ – gut zu denjenigen, denen es nicht gut geht.


Ein Familienausflug in Tansania: Jeder wird gleich behandelt - das ist das aller Wichtigste!

Das letzte Familienfoto aus Tansania. Ob Afrika oder Deutschland:
Diese Familie steht zusammen und setzt sich für diejenigen ein,
die keine Familie und kein Zuhause haben.


Das 3. Weihnachten mit und für Flüchtlinge

Seit 2008 kümmert sich Karin mit ihrem Mann um Flüchtlinge: „Damals hat man einfach noch nicht von Flüchtlingen geredet. Das waren eben Asylbewerber.“ Es waren verstärkt Balkanflüchtlinge, vor allem Roma aus Mazedonien und Georgien; außerdem kamen viele Menschen aus Tschetschenien, Aserbaidschan und sogar China. Ein paar Jahre lang, so erinnert sich Karin, flachte der Zustrom an Flüchtlingen zwar ab, aber seit 2013 stieg die Anzahl der Geflüchteten wieder enorm an, besonders somalische, syrische und irakische Flüchtlinge gehörten nun dazu.

Vor drei Jahren entschied sich das Ehepaar, einige der Flüchtlinge an Weihnachten zu sich nach Hause einzuladen – das Wohnzimmer platzte fast aus allen Nähten. Ein Jahr später war der Wunsch, den Schutzsuchenden ein besinnliches Weihnachten zu bereiten so stark, dass sich ihre Kirchengemeinde mit fünf weiteren Gemeinden der deutschlandweiten AMIN-Gruppe der Deutschen Evangelischen Allianz anschloss. Von nun an konnten sich die Gemeinden als Arbeitskreis Migration & Integration (AMIN) Hoher Westerwald noch intensiver und professioneller um die Belange der Flüchtlinge kümmern.


Ein Weihnachten zu Hause mit Flüchtlingen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt (2013).

Letztes Jahr ermöglichten sie so den Flüchtlingen ein großes Weihnachtsfest: Sie erklärten, was man überhaupt an Weihnachten feiert, genossen die Gemeinschaft und setzten ein klares Zeichen für Integration und Hilfsbereitschaft. Ein kindgerechtes Puppenspiel mit wenig deutschen Worten aber einer umso deutlicheren und rührenden Darstellung brachte den Flüchtlingskindern die Weihnachtsgeschichte näher. Sie lernten das Kind in der Krippe kennen und zu verstehen, was das heute noch für Christen bedeutet. Ein Problem, dass unter den Flüchtlingen auch viele Muslime sind, sieht Karin nicht. Schließlich bleibt die Botschaft immer dieselbe und ist für jeden Einzelnen gleich: „Ich möchte, dass diese Menschen am Weihnachtsabend die Liebe Gottes spüren und sich eingeladen fühlen, an unserer Weihnachtsfreude teilzuhaben, selbst wenn sie eigentlich an etwas ganz anderes glauben.“

Viele der Flüchtlinge fühlten sich so wohl auf der Weihnachtsfeier, dass sie in diesem Jahr wieder dabei sein werden. Insgesamt haben die Gemeinden rund 70 Migranten eingeladen, darunter sind ca. 25 Kinder. Letztes Jahr musste sich Karin alleine um die Geschenke der Kinder kümmern und sie ist sehr dankbar, dass diese wichtige Aufgabe nun von „Weihnachten im Schuhkarton“ übernommen wird. Denn „ein Geschenk heißt: ‚Ich habe an dich gedacht und du bist in unserer Mitte willkommen.'“


Karin mit einer afghanischen Familie - auch für diese wundervolle Familie gilt: "Ihr seid willkommen!"

Samosa und Falafel anstatt Gänsekeule und Grünkohl

Obwohl die Weihnachtsfeier in Deutschland stattfindet, möchte Karin den Flüchtlingen die Möglichkeit geben, auch ihre Kultur vorzustellen. Essen ist dabei ein wichtiges Brückenelement: Durch verschiedene Speisen der unterschiedlichen Herkunftsländer zeigen die Gemeinden an Heilig Abend, dass sie die Flüchtlinge und ihre Kultur kennenlernen und verstehen möchten und ihnen nicht alle deutschen Bräuche wie die Weihnachtsgans „auftischen“.

Als großer Höhepunkt für die Kinder werden zum Schluss die Schuhkartons unserer Sonderaktion verteilt, wobei jedes Päckchen die Bedeutung des gesamten Abends noch einmal unterstreicht: „Du bist willkommen. Du bist geliebt.“ Gemeinsames Essen, gemeinsames Beten, gemeinsames Feiern, gemeinsames Schenken und beschenkt werden. So ist Weihnachten – das Fest der Liebe.

Nach Weihnachten geht es natürlich weiter – der Arbeitskreis Migration & Integration (AMIN) Hoher Westerwald kümmert sich langfristig um die Flüchtlinge. Ob Behördengänge, Deutschkurs oder Wohnungssuche – je nachdem, wie lange die Menschen schon in Deutschland sind und welche Perspektiven und Bedürfnisse sie haben, werden sie bei AMIN eine passende Hilfestellung finden.

Karin wird auf jeden Fall auch nach Weihnachten weitermachen und wir sind sehr dankbar, dass eure Schuhkartons durch ihr Engagement an Kinder verteilt werden, die sich unvorstellbar über dieses Geschenk freuen werden, auch weil sie hier und jetzt am wenigsten damit rechnen.

Karin mit einem somalischen Ehepaar - für viele ist sie eine Ersatzmutter,
eine starke Freundin oder eine Schwester im Glauben, manchmal auch alles auf einmal.


Den richtigen Blick haben

Auf die Frage, was sich Karin von unserer Gesellschaft wünscht und wie man am besten helfen kann, ist ihre Antwort ebenso simpel wie herausfordernd: „Von einer Million Flüchtlinge werden viele wieder gehen müssen. Aber ich wünsche mir, dass die Menschen einen Blick für die haben, die hier bleiben dürfen und einsehen, dass jeder davon die Chance haben sollte, auch wirklich anzukommen. Das geht nicht von heute auf morgen und natürlich gibt es Ängste. Aber Ängste ließen sich überwinden, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.“

Letztendlich geht es darum, was wir an Weihnachten mit Worten, Geschenken und Mühen immer wieder betonen: die Liebe. „Mit Liebe ließe sich viel überwinden, aushalten und verändern“, so Karin.


Karin mit einer sehr guten Freundin aus Somalia. Die beiden Frauen verbindet eine lange gemeinsame Reise,
 die alles andere als einfach war. Doch eines begleitete sie bei jedem Schritt: Die Liebe zu den Menschen und "die Liebe Gottes".


Der Arbeitskreis Migration & Integration (AMIN) Hoher Westerwald ist nur ein Beispiel unserer Verteilpartner für die Sonderaktion. Jeder Partner wird von unserem Team geschult und mit nötigem Equipment ausgestattet, darunter auch ein Feedbackbogen. Damit können wir nach der Aktion resümieren, wie die Kinder diese Weihnachtsfeiern erlebt und auf die Schuhkartons reagiert haben. Eines steht fest: Jedes Päckchen ermöglicht einem Flüchtlingskind, Leid und Sorgen zu vergessen und sich über ein Geschenk zu freuen, das von Herzen kommt. Dafür sagen wir DANKE – an alle Päckchenpacker, Spender, ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Weihnachtswerkstatt und an alle Verteilpartner!



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