Montag, 22. August 2016

Yves Geschichte, und wie ein Schal sein Herz erwärmte

Als Flüchtling geboren und als Kind von Hass getrieben, erfährt Yves durch ein ganz besonderes Geschenk, dass er geliebt ist. 
Und das verändert alles.
Autorin: Ruth Rainer, GdH

Yves (ganz links) mit seiner Familie
Als meine Mutter im achten Monat mit mir schwanger war, versuchten unsere Nachbarn in Ruanda uns zu ermorden. Mein Vater, ein Pastor, war ein hoch respektierter Mann in unserem Dorf. Menschen, mit denen meine Eltern 20 Jahre lang Tür an Tür gewohnt hatten, versuchten nun sie zu töten. Meine Familie rannte buchstäblich um ihr Leben. Ich wurde in einem Flüchtlingslager im Kongo geboren. Als es auch dort zu kämpferischen Auseinandersetzungen kam, suchten wir Schutz in Kenia. Der Friede währte auch in Kenia nicht lang und wir mussten erneut umziehen. Es kam uns vor, als würde uns der Krieg auf Schritt und Tritt verfolgen.

Nach den Gräueltaten, die ich als Kind gesehen hatte, war mein Herz mit Hass erfüllt – nicht nur für diejenigen, die den Schrecken verbreiteten. Ich hasste Menschen generell, da ich nur so wenig Menschlichkeit in ihnen fand.

Letztendlich fanden wir in dem westafrikanischen Land Togo einen Ort, den wir Heimat nennen konnten. Mein Vater begann wieder als Pastor zu arbeiten. Allerdings war das nicht ganz ungefährlich, da in unserer Gegend Zauberdoktoren das Sagen hatten, die den Menschen verboten, auch nur einen Fuß in eine Kirche zu setzen.

Doch dann kamen die Schuhkartons.
Als eine Feier von „Operation Christmas Child“ – dem internationalen Namen für „Weihnachten im Schuhkarton“ - angekündigt wurde, kamen die Dorfbewohner mit ihren Kindern in Scharen in unsere Kirche. Viele der Dorfbewohner hörten an diesem Tag das erste Mal von einem Gott, der sie kompromisslos liebt. Sie begannen regelmäßig Gottesdienste zu besuchen, um mehr über diesen allmächtigen und liebenden Gott zu hören – unter ihnen einer der Zauberdoktoren. Als er verkündete, dass er Jesus nachfolgen wolle, trafen viele der Dorfbewohner die gleiche Entscheidung. Sie sagten sich: Wenn dieser mächtige Mann Jesus braucht, brauchen wir ihn auch. Kurz darauf wurden drei neue Kirchen gegründet, da unsere nicht mehr groß genug war.
 
Bei der Taufe der Dorfbewohner, unter ihnen der Zauberdoktor
Doch ich war nach meiner Kindheit als Flüchtling noch immer voller Hass. Ich verstand nicht, warum Menschen anderen das Leben nehmen konnten, weil sie anders waren. Ich hasste alle Menschen, bis auf meine Familie, weil sie zu solch blinder Gewalt fähig waren.

Als ich im Alter von elf Jahren einen Schuhkarton bekam, änderte sich alles.
Eine Menge Fragen schossen mir durch den Kopf: Ein Fremder liebt mich genug, um mir ein Geschenk zu machen? Wie kann mich jemand lieben, der mich nicht kennt? Wie ist das möglich, wenn selbst meine Nachbarn in Ruanda uns umbringen wollten? Ich hatte mich so an meine Welt aus Hass gewöhnt, als dieser Schuhkarton meine ganze Welt auf den Kopf stellte.

Bei der Schuhkarton-Verteilung versuchte ich vergeblich eines meiner Geschenke gegen einen Fußball zu tauschen. Ich hatte nämlich einen Wollschal bekommen und keine Ahnung, was ich bei unserem tropischen Klima damit anfangen sollte.

Drei Jahre später bekam unsere Familie die Erlaubnis sich in Buffalo, New York, anzusiedeln. Buffalo ist eine der kältesten Städte der USA. War das ein Zufall? Auf keinen Fall! Der Schal bedeutet mir seitdem bis heute sehr viel. Es ist der Beweis dafür, dass Jesus meine Vergangenheit und meine Zukunft kennt, und weiß was ich brauchen werde. Dieser Schal wärmte mich nicht nur physisch im kalten Buffalo, er erwärmte auch mein Herz. Ich fasste Mut, mich auf Menschen einzulassen.


Mittlerweile ist der Hass verschwunden. Stattdessen möchte ich anderen Menschen Gutes tun. Dieses Jahr werde ich dabei helfen in unserem alten Dorf in Togo Brunnen für eben die Kirchen zu graben, die nach der „Weihnachten im Schuhkarton“- Feier zehn Jahre zuvor entstanden waren.
 Gott kann alles überall gebrauchen, um Hoffnung zu bringen, wo alle Hoffnung verloren scheint. Die Schuhkartons, die ihr packt, verändern nicht nur einzelne Leben, sondern auch ganze Ortschaften, wie ich es erleben durfte. Danke für eure Großzügigkeit und Liebe.


1 Kommentar: